„Wasser – Der Schatz aus der Tiefe“

Veröffentlicht am 18.09.2014 in Wahlkreis

Ernst Kopp und Prof. Dr. Maier in Rastatt

Prof. Maier referierte über globale und regionale Aspekte des Trinkwassers

Da durch die derzeitige Diskussion das Thema Trinkwasser große Aktualität erfährt, hatte der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Ernst Kopp den Leiter der Wasserwerke Karlsruhe, Prof. Dr. Matthias Maier, zu einem Informationsabend eingeladen. Der von Prof. Dr. Maier weit gefasste und dadurch hoch interessante Vortrag sicherte ihm die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der zahlreich Anwesenden.

Die eigentlich „trockenen“ statistischen Zahlen zu Beginn seinesVortrags wusste er sehr anschaulich in Bezug auf das tägliche Leben zu setzen. In den Fokus nahm er dabei die globale Bedeutung des Lebensmittels Trinkwasser, welches wir in Europa als Selbstverständlichkeit ansehen.

Weltweit leben jedoch 800 Millionen Menschen ohne ausreichenden Zugang zu sauberem Trinkwasser, gab Prof. Maier zu bedenken, wobei alle 20 Sekunden ein Kind an den Folgen dieses Mangels sterbe. Noch drastischer sei es bei der Abwasserentsorgung, grundlegenden sanitären Einrichtungen und der damit im Zusammenhang stehenden Hygiene. 2,5 Milliarden Menschen leben ohne Einrichtungen zur Abwasserentsorgung, weshalb täglich 1.800 Kinder eine Durchfallerkrankung nicht überleben.

Obwohl die im September 2000 klar definierten Millennium-Ziele  der Vereinten Nationen (MDG Millennium Development Goals) im Kampf gegen Armut, Hunger, Krankheit und Umweltzerstörung bis 2015 mit

Vorgaben für sauberes Trinkwasser - also Halbierung der Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen haben - gesetzt seien, so Maier, müsse man realistisch feststellen, dass dies bei weitem noch nicht erreicht worden sei.

Die weltweit knappe Ressource Trinkwasser sei nämlich ein hart umkämpftes Gut. Der Kampf um Wasserrechte als Einnahmequelle, das so genannte Water-Grabbing, mit dem einzigen Ziel der Gewinn-Maximierung, habe bereits zu Konzessionskriegen geführt, verdeutlichte Prof. Maier die Problematik. „Wasser ist als Lebensmittel besonders schützenswert, lebensnotwendig und nicht ersetzbar und muss deshalb ein unverzichtbarer Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge bleiben“, so sein eindringlicher Appell.

In diesem Zusammenhang erinnerte er an die erste europäische Bürgerinitiative „Right2Water“, die auch durch das große Engagement des SPD-Europaabgeordneten Peter Simon erreicht habe, dass die Trinkwasserversorgung aus den Konzessionsrichtlinien herausgenommen wurde.

„Im Vordergrund muss das Wohl der Bevölkerung stehen und nicht die Gewinn-Maximierung“, verwies Maier auch auf die Diskussionen um das Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP Transatlantik Trade and Investment Partnership) sowie das Thema Investorenschutz im Abkommen zum Handel mit Dienstleistungen (TISA Trade in Service Agreement). Hier müsse man sehr wachsam und hellhörig sein, da Wasser immer noch im EU-Verhandlungsmandat beinhaltet sei. Er begrüße insbesondere auch  sehr die EU-weite öffentliche Konsultation zur Trinkwasserrichtlinie, die nicht nur Verbänden und Interessensvertretern sondern auch Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gibt, sich an der Diskussion um mögliche Verbesserungen bzw. zusätzliche Maßnahmen zum Trinkwasserschutz zu beteiligen.

Darüberhinaus müsse man sich als Europäerinnen und Europäer klar machen, welche „Water-Footprints“ das so genannte virtuelle Wasser hinterlasse. Im Warenverkehr sowie bei der industriellen und agrarischen Produktion werde Wasser in erheblichem Maße gebunden, erläuterte Prof. Maier. Bis ein Kilogramm Rindfleisch auf dem Teller liege, seien 15.000 Liter Wasser verbraucht worden. Ein Kilo Schweinefleisch und eine Jeans hätten einen Water-Footprint von je 6.000 Liter. Auch wenn wir in Deutschland im Mittel einen verträglichen Pro-Kopf-Verbrauch von 121 Liter für den täglichen Bedarf verzeichnen, müsse man sich bewusst machen, dass die reale Menge bei Hinzurechnung des virtuellen Wasserverbrauchs bei 4.000 Liter täglich liege. Hier können Verbraucher durch bewussten Einkauf in der Region und den Verzicht auf Produkte, die in Wassermangelgebieten produziert wurden, einem Wasserentzug durch den Import von Produkten entgegenwirken.

Hinzu komme, dass heutzutage nicht mehr die Produktion sondern das Produkt Probleme aufwerfe. So seien beispielsweise Arzneimittel oder auch Röntgenkontrastmittel teilweise nicht in Kläranlagen abbaubar und könnten damit wiederum das Grundwasser belasten.

Dieser Aspekt rücke jedoch zunehmend ins Bewusstsein. Daraus resultierend würden verstärkt verbesserte Methoden des Nachweises sowie zusätzliche Schutzmaßnahmen erarbeitet, begleitend durch strengere Richtlinien zur Grenzwerteinhaltung.

Vor dem Hintergrund all dieser Fakten sei der vorsorgende Gewässerschutz die große Herausforderung zur Sicherung der Wasserqualität für kommende Generationen.

Auf die Bedingungen in unserer Region angesprochen verwies der Leiter der Karlsruher Wasserwerke auf die Bedeutung des Oberrheingrabens als überaus wichtigen und enorm großen Grundwasserlieferant, der jedoch nach aktuellen Prognosen vom Klimawandel wohl am stärksten betroffen sein werde. Hitzeperioden und jahreszeitlich veränderte Niederschläge könnten den Wassertagesbedarf um das Doppelte steigen lassen.

Abschließend appellierte Prof. Dr. Maier an alle, sich auch das eigene Verhalten im Umgang mit der bedeutenden Ressource Wasser bewusst zu machen und kritisch zu betrachten.

 

 

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Drucksache 16/923 PFC

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